Stranger Review / Test
Mit Stranger wagen sich die Entwickler der bekannten Sudden Strike Reihe an eine neues Genre. Ein neues Genre? Nicht ganz! Ein grosser Teil der bisherigen Echtzeitstrategie wird nämlich ersetzt durch Elemente eines “epischen Rollenspiels” (O-Ton Verpackung). Das in Previews oft gelobte Game versucht also, Strategie sowie RPG zu vereinen und wählt dazu ein farbenfrohes Fantasy-Szenario. Wir haben uns angeschaut, wie sich Stranger im Dauertest schlägt. Mehr über unsere Erfahrungen (und Leiden…) gibts weiter unten im Review.
Die Idee ist so neu nicht: Anstatt seine Mannen im Echtzeitstrategiespiel immer wie “aus der Dose” an die Front zu schicken, könnte man die Einheiten doch noch etwas pimpen. Mit neuen Waffen ausrüsten, die Erfahrung der Veteranen nutzen, oder neu erlernte Zauber einsetzen. Stranger möchte diese Symbiose zwischen Strategie und Rollenspiel perfektionieren. Das Spiel ist übrigens schon einige Jahre in Entwicklung hat bisher in Previews meistens gute Noten kassiert. Na dann wollen wir doch mal *zwinker*.
Die Bösewichte und das Exil
Einmal mehr wird uns mit Stranger ein Spiel Game abgeliefert, dessen Story einfach nicht greift. Die grobe Version lautet
folgendermassen: Drei Helden (die ihr später steuern werdet), sind vom Herrscher der Benutzung bösartiger Magie bezichtigt worden. Die Strafe lautet “ab ins Exil”, weshalb sich die drei plötzlich zusammen im Niemandsland wiederfinden. Zuerst herrscht eine Atmosphäre des Misstrauens, doch schon bald rücken Steiger, Mordlok und Kagar enger zusammen - Rachegelüste vernebeln ihre Sicht. Logischerweise nutzen die Helden dabei ihre sehr unterschiedlichen Fähigkeiten, um dem Feind gleich hordenweise den Garaus zu machen. Aber es gilt nicht nur die drei Hauptfiguren zu steuern. Insgesamt über 100 Einheiten und eben so viele Gegner hat Fireglow eingepackt.
Es folgt der erste Einstieg ins Spiel. Bereits nach wenigen Minuten wird klar: Da ist etwas gewaltig schief gelaufen. Stranger hat eine Tastaturbelegung, wie sie sonst nur bei Flugsimulationen vorkommt und bietet Menüs, die auf den
ersten Blick einfach nur Verwirrung stiften. Es braucht einiges an Einarbeitungszeit, bis man mit der Software zurecht kommt. Das ist nicht nur nicht intuitiv - das ist fahrlässig in Zeiten eines World of Warcraft, dessen logischer Aufbau auch für Anfänger das Lesen des Handbuchs nicht nötig macht. Klickorgien und schräge Tastaturbelegungen sind bei Stranger aber leider an der Tagesordnung. Hinzu kommen repetitive Spielabläufe, welche die Anzahl Klicks nochmals multiplizieren…
Mit Magie auf Monsterhatz
Um in Stranger bestehen zu können, benötigt ihr aber noch etwas mehr, als nur Geduld. Nämlich noch viel mehr Geduld. Das Game ist deutlich zu schwer ausgefallen. Regelmässig ist man mit Heiltränken die fast komplett vernichtete Truppe wieder am aufpäppeln, rekrutiert tonnenweise Soldaten in neutralen Dörfern und versucht zu erfahren, was man wohl gegen die Bosse in der
gegnerischen Streitmacht unternehmen könnte. Dabei präsentiert Stranger Levels und Missionen, die zum Teil richtig langweilig sind und leider mit der Spitze der Echtzeitstrategiespiele nicht im Entferntesten mithalten können. Ergänzt wird das Ganze durch eine eher unterdurchschnittliche Künstliche Intelligenz. All diese aufgezählten Punkte sorgen dafür, dass die im Prinzip geglückte Mischung aus Strategie und Rollenspiel gar nie wirklich zum Tragen kommt, da man permanent mit den Schwächen des Games beschäftigt ist. Das ist wirklich Schade, denn Stranger bietet durchaus ein paar interessante Ansätze, die man mit Sicherheit auch zu einem starken Game hätte verarbeiten können. A propos Schwächen: Auch technisch leistet sich das Spiel leider einen Fauxpas nach dem anderen.
Wie konnte DAS passieren?
Was auf den Screenshots akzeptabel bis sogar sehr gut aussieht, entpuppt sich in der Realität als sehr zäh und manchmal auch fast unspielbar. Die Grafikqualität ist allgemein nicht sehr gut ausgefallen, mal abgesehen von den Zaubersprüchen und
Lichteffekten. Was aber wirklich stört, sind massive Einbrüche in der Performance - und das bei einer, wie bereits gesagt, nicht sehr berauschenden Qualität. Auch auf Spitzen PC’s bringt man das Spiel leider nicht flüssig zum Laufen. Wer jetzt an ein paar Ruckler denkt, liegt leider falsch: Stranger bricht ab und zu total ein, so dass ein einigermassen effizientes Spielen einfach nicht mehr möglich ist. Wie dieses Stück Software durch den Betatest gekommen ist; nun ja, das ist mir schleierhaft. In Punkto Sound gibt es weniger zu meckern, hier arbeitet Stranger mit brauchbarer Musik, guten Effekten und vor allem auch viel Sprachausgabe.
Fazit
Stranger ist leider eine ziemliche Enttäuschung. Ich kann mir, trotz des spannenden Prinzips, nicht vorstellen, dass sich jjemand die kompletten, angekündigten 30 Stunden Spielzeit antut. Auch im Mehrspielermodus (bis zu 8 Gamer) ist die Performance nicht besser. Wie konnte das einer Softwareschmiede wie Glowfire passieren? Mittelprächtige Grafik mit Einbrüchen, ein Interface mit Usability-Fehlern en masse, unausgereifte KI und durchschnittliches Leveldesign machen Stranger leider zu einem Kandidaten fürdie Ramschecke. Mal schauen, vielleicht reichen die Entwickler ja noch ein paar Patches nach, um das Leid aufzubessern - ansonsten müssen wir uns halt ein paar Jahre gedulden, bis schnellere PCs das Game beherrschen.
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